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2006 - 1994

Die ersten Turnierjahre

Marko Marin (im Bild bei der Siegerehrung 2006) wurde 2005 als Spieler von Eintrachts Frankfurt bester Spieler und bester Torschütze und 2006 als Spieler von Borussia Mönchengladbach bester Spieler des Turniers.


Bericht zum 10. Turnier

„Bundesliga zu Gast in Sonnenberg" titelte eine Wiesbadener Lokalzeitung zum angekündigten ersten B-Jugend Hallenfußballturnier der Spvgg 1919 Sonnenberg.

Doch bevor der erste Ball getreten wurde, war fast ein Jahr Vorbereitungszeit vorangegangen. Angefangen hatte alles bei der vereinsinternen Feier zum Aufstieg der B-Jugend in die Bezirksliga in der Saison 1993. Mitten in die lautstark geführte Diskussion zwischen Vereinsvertretern und Spielervätern – eine besondere Spezie von Fußballsachverständigen – über die Erfolge der gerade zu Ende gegangenen Saison für die Spvgg Sonnenberg, rief einer, der „oft dabei" aber „selten mittendrin" war:" Ach, was! Bezirksliga, Pokalendspiel ! Meister können in Wiesbaden viele Vereine werden. Ihr müsst Sonnenberg und damit Wiesbaden fußballerisch über die Grenzen hinaus bekannt machen. Ihr müsst etwas wirklich Großes, etwas Besonderes organisieren!" Das saß. Es wirkte wie ein Stich, der so schnell und plötzlich erfolgt, dass der Schmerz für einige Momente jegliche Aktivität lähmt. Schlagartig trat im Vereinsheim Ruhe ein und nur langsam wich die Lähmung.

Heute ist klar, dass das die Geburtsstunde des Wiesbadener B-Jugend Hallenfußballturniers war. Schnell stand auch fest, welche Alterstufe in Frage kommt: C- und D-Jugendturniere gab es in der Region schon. Ein A-Jugendturnier mit überregionaler Beteiligung schien zu illusorisch, zu groß der Termindruck für die Vereine in diesem Bereich. Blieb also nur die B-Jugend. Da traf es sich, dass zu diesem Zeitpunkt der Verein – wie oben angedeutet – eine ganz passable eigene Truppe aufzuweisen hatte, die schon in der C-Jugend für Furore sorgte. So konnte sich der Verein mit einem solchen Turnier für die sportliche Spitzenleistung bei seiner Jugendmannschaft bedanken. Höchste Eisenbahn war aber geboten, sollte das Turnier zum 75. Jubiläum der Spvgg Sonnenberg im Jahr 1994 erstmalig stattfinden.

Die Macher

Tatsächlich schafften es die Sonnenberger, mit dem Turnier ins Jubiläumsjahr zu starten. Dies ist insbesondere „der Ersten Fünf" der vielköpfigen Helfergemeinschaft zu danken.

„Mannschaftsführer" ist von Anfang an Norbert Roth. Er liefert die Ideen und ist zudem treibende Kraft. Ein „geht nicht" oder „schaffen wir nicht" scheint er nicht zu kennen. Als „Vereinsmensch" und Organisator sicherlich familiär vorgeprägt, bestimmt Roth nicht nur den Rahmen der Veranstaltung, sondern packt selbst kräftig mit an. Dies und sein Geschick, andere nicht nur zu überzeugen, sondern sie auch zu begeistern, half, manche Hürde zu meistern. Ein Erlebnis ganz besonderer Art ist es auch, Norbert Roth nach getaner Arbeit zu erleben. Er teilt seine Freude über das Gelungene gerne im Kreise seiner Mitstreiter und sprüht auch da noch vor Energie, denn für ihn gilt: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier.

Der ideale Partner bei der Organisation des Turniers ist Hans Radke, weil er die Dinge analytisch, fast mathematisch angeht. Wenn Diskussionen auszuufern drohen, bringt er sie auf den wesentlichen Punkt und steigert somit die Effizienz manch strittiger Angelegenheiten.
„In der Ruhe liegt die Kraft" scheint zudem für ihn ein Wahlspruch zu sein, mit dem er zum Beispiel bei Verhandlungen mit Hotelmanagern fast immer sein Ziel erreicht. Wie ein echter „Spielführer" zieht er an den Fäden und ist somit für das Gesamtwerk „Sonnenberger Turnier" von unschätzbarem Wert.

Das Geld, das Roth und Radke ausgeben, muss zuvor aber zum großen Teil erst von Sponsoren „erbeten" werden. Diesen sicher nicht immer angenehmen Part üben Hermann Bach und Peter Hanusch geradezu perfekt aus. Sie sind somit im Organisationsteam die „Mittelspieler". Ideal ist die Besetzung auch deshalb, weil sie sich in der Wirkung, Geld zu sammeln, hervorragend ergänzen. Der eine nutzt überwiegend seine guten Kontakte zur Geschäftswelt des Stadtteiles und erreicht nicht zuletzt aufgrund seines Charmes, dass Sponsorenliste und Anzeigenseiten im jährlichen Turnierheft immer umfangreicher werden. Der andere, kaufmännische geschult, mit verbaler Kraft ausgestattet und nicht minder charmant, versucht, im übrigen Stadtgebiet potentielle Spender zu überzeugen, damit über dem Turnier ein guter Stern steht.

Der fünfte Spieler im Organisationsteam ist der „Sportliche Leiter" Hellmuth Spix. Seine Verantwortlichkeit reicht u.a. von der Kontaktaufnahme mit den Vereinen über die Zusammensetzung der Turnierleitung, die Betreuung der Schiedsrichter bis zur Organisation der Trainerrunde am Abend des ersten Turniertages, an der Trainer und Betreuer der Gastmannschaften gerne teilnehmen und auch die Sponsoren geladen sind. Dieser Abend stellt ein hervorragendes „Fenster" des Turniers dar, mit dem es Spix gelingt, den Sonnenberger Jugendfußball auch gesellschaftlich außerhalb der rein sportlichen Ebene darzustellen und – anbetracht der teilnehmenden Nachwuchsmannschaften aus der gesamten Bundesliga – weit über die Stadtgrenzen hinaus, womit die eingangs „stichartig" gestellte Forderung nach „etwas Großem" sicherlich erfüllt ist.

Es ist selbstverständlich, dass die 5 Genannten nicht alleine die Turniere organisieren und durchführen. Ihnen zur Seite stehen von Anfang an, und mit der Zahl der Turniere auch immer mehr zunehmend, mehrere „Fünfer-Mannschaften". Dies ist eine der besonderen Stärken des Sonnenberger Turniers. Deshalb sind wir auch sicher, dass niemand enttäuscht ist, weil an dieser Stelle nicht namentlich genannt.

Abschließend soll noch einer besonderen Gruppe von Helfern gedankt werden: Es ist die „Gruppe der Frauen", Ehefrauen der „Macher" und die der anderen Helfer um die immer rührige Sonja Dragesser, jene Mütter Sonnenberger B-Jugendspieler, aber auch die Mütter unbeteiligter Sonnenberger Spieler, die an den Turniertagen genau dort stehen, wo sie gebraucht werden. Oder sie warten bis in die Nacht, zählen dann das eingenommene Geld der verschiedenen Kassen, kontrollieren die bisher errechneten Tabellenstände oder haben für den Turniersonntag einen Kuchen gebacken. Es sind die stillen, die „Guten Geister" des Turniers.

Die Turniere

Das erste Turnier - 1994

1994, neue Halle am Berufsschulzentrum. Endlich geht es los. Schirmherrin Frau Hannelore Rönsch – Bundesministerin für Familie und Senioren – führt den Anstoß aus. Der Start mit vier Nachwuchsmannschaften der 1. Bundesliga ( Nürnberg, Kaiserslautern, Frankfurt, Karlsruhe ) ist gelungen. Die Sonnenberger stellen zwei Mannschaften, deren Spieler sich zwar mächtig ins Zeug legen, aber über den Status eines Punktelieferanten nicht hinauskommen. Bei Kaiserslautern spielte der heutige Bundesligaprofi Marco Reich mit. Turniersieger wird Karlsruhe.

Das zweite Turnier - 1995

Diesmal findet das Turnier in Wiesbadens "Guter Stube" – der Halle am Elsässer Platz – unter der Schirmherrschaft von Manfred Kanther – damals Bundesinnenminister – statt. Dank der Hilfe des Clubs aus Nürnberg nehmen diesmal schon 6 Bundesliga-Nachwuchsmannschaften teil, darunter der Deutsche B-Jugendmeister VfB Stuttgart. Sieger wird Kaiserslautern.

Das dritte Turnier - 1996

Schirmherr Achim Exner – Oberbürgermeister der Landeshauptstadt – stößt an. Mit dem VfL Wolfsburg stellt sich wieder ein neuer Bundesligist vor. Das Turnier hat sich zumindest in der nördlichen Hälfte der Republik positiv herumgesprochen, denn eine Nachwuchsmannschaft aus diesem Teil Deutschlands reist scheinbar mit allen Verantwortlichen der Jugendabteilung samt Ehefrauen an. Wiesbaden hat halt was zu bieten. Turniersieger wird Werder Bremen.

Das vierte Turnier - 1997

Blitzeis legt über Nacht den Verkehr in der halben Bundesrepublik – auch in Wiesbaden– lahm und der damalige Schirmherr und Hessische Finanzminister Karl Starzacher rief besorgt an, ob wir den trotz Zuschauereinbusen finanziell über die Runden kämen. Trotzdem reisen alle (!) Turnierteilnehmer an. Der letzte – 1860 München – zum ersten Mal in Wiesbaden – erscheint gegen 18.00 Uhr in der Halle und wird von den (nicht ganz so zahlreichen) Zuschauern begeistert empfangen. Die Turnierleitung zeigt ihre Klasse. Die Spielansetzungen müssen entsprechend der Anwesenheit der Mannschaften in Minutenschnelle geändert werden. Alle Mannschaften sind einverstanden, auch wenn sie nach kurzer Pause zu einem zweiten Spiel erneut antreten müssen. Der erste Turniertag endet nur um 25 Minuten verspätet. Am zweiten Tag ist alles in der Reihe. Neben 1860 nimmt auch der FC St. Pauli zum ersten Mal am Turnier teil. Sieger wird wie im Vorjahr Werder Bremen.

Das fünfte Turnier - 1998

Ein kleines Jubiläum für die Sonnenberger: Oberbürgermeister Hildebrand Diehl ist zum ersten Mal Schirmherr. Der zehnte Bundesligist schickt seine Nachwuchsmannschaft: Borussia Dortmund. Die Spvgg kann keine eigene Mannschaft stellen. Frank Neubarth betreut die Bremer. Das Turnier gewinnt 1860 München mit dem heutigen Bundesligaspieler Spieler Benjamin Lauth. Pech für die Sechziger aber am Abend, als ihr Bus sich auf der Fahrt zum gesponserten Mannschaftsessen festfährt. Nach vergeblichen Versuchen durch vereinsinterne Abschlepper, versucht sich die ESWE vergeblich. Erst die Feuerwehr mit schwerem Gerät hat Erfolg und macht alle Festsitzenden wieder flott.

Das sechste Turnier - 1999

Wieder ist Hildebrand Diehl der Schirmherr. Routine ist eingekehrt? Mitnichten! Am Ende des Turniers muss ein Spieler der St. Paulianer neu eingekleidet werden, da seine Sachen aus der Halle "durch die Hintertür verschwanden. Die Hallenordner hatten nicht gut genug aufgepasst. Mit Bochum und Leverkusen nehmen zwei "Neue" teil. Das Turnier gewinnt diesmal Eintracht Frankfurt.

Das siebte Turnier - 2000

Endlich international und endlich Köln! Bröndby IF Kopenhagen reist mit eigenem UEFA-Vermittler an. Außerdem sind noch Mönchengladbach und Hertha BSC neu beim Turnier. Das Turnier ist also längst angenommen, von der Bundesliga und auch von den Verantwortlichen der Stadt, die wie immer hilfreich zur Seite stehen. Oberbürgermeister Hildebrand Diehl gratuliert dem Turniersieger Bröndby IF.

Das achte Turnier - 2001

Wieder kann Schirmherr Hildebrand Diehl zwei neue Bundesliga-Nachwuchsteams begrüßen: Malmö FF und den HSV. Thomas Kastenmeier betreut die Jungs von Mönchengladbach. Es siegt der 1.FC Köln.

Das neunte Turnier - 2002

Schirmherr ist wie zuletzt auch diesmal wieder der Wiesbadener Oberbürgermeister. Hildebrand Diehl kann wieder zwei "Neue" begrüßen: den FC Freiburg und Helsingborgs IF aus Schweden. Wieder wird der gesellige Abend mit Trainern, Betreuern und Sponsoren im Hotel Ramada ein voller Erfolg. Der VfB Stuttgart gewinnt das Turnier.

Das zehnte Turnier - 2003

Dies ist das Turnier der bisherigen Sieger. Hinzu kommen Helsingborgs IF, Borussia Mönchengladbach, die Spvgg Sonnenberg und BAYERN MÜNCHEN.

Zum Jubiläum gerade richtig. Schirmherr ist wieder Oberbürgermeister Hildebrand Diehl.

Resümee

Mit dem Wiesbadener B-Jugend Hallenfußballturnier haben die Verantwortlichen der Spielvereinigung 1919 Wiesbaden-Sonnenberg gezeigt, dass in Wiesbaden sehr wohl Spitzensport geboten werden kann. Dazu bedarf es "nur" einiger "Sportverrückter", die durch eine möglichst große Zahl "Überredeter" unterstützt werden. Weiter sind Sponsoren und Hilfestellungen von Seiten der Stadtverantwortlichen unerlässlich.

Arno Lindner
Chronist

 

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